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Woyzeck-„ein interessanter Kasus“ hautnah

20/01/2026

Der Abschlussjahrgang des Max-Planck-Gymnasiums aus Groß-Umstadt bereitete sich am 16.01.2026 mithilfe der freien Theatergruppe „THEATERmobileSPIELE“ aus Karlsruhe auf eine ganz besondere Art auf ihr Abitur im Frühjahr vor.

Ganz allein gefangen in einem Käfig aus seinen eigenen Gedanken. So stellt Julian König das bekannte fragmentarische Drama Woyzeck von Georg Büchner unerwartet und neu dar. Hierbei werden Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Wahnsinn und Femizide aufgegriffen und bewegend auf die Bühne gebracht. Der freie Schauspieler verkörpert dabei alle wichtigen Figuren mithilfe von Stabpuppen. Er erschafft durch sein Auftreten und das Wechseln seiner Stimmfarbe für jede Figur eine eigene Persönlichkeit. Dadurch gibt er den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, vollständig in die Handlung einzutauchen. Sofort verfolgten die Anwesenden das Stück mit gespannten Blicken, was dem Schauspieler die Möglichkeit gab, sich seinem Spiel voll hinzugeben. Diesen Eindruck betonte er im anschließenden Nachgespräch, bei welchem die Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit hatten, Fragen zu stellen. Hierbei hob er hervor, es seien einige Szenen aus der Inszenierung herausgenommen worden, um die Interpretationsabsicht besser zu akzentuieren.  

Ebenfalls ungewöhnlich erschienen wiederkehrende Alarmtöne und eine eindringliche, aus einem Lautsprecher ertönende Stimme, welche häufig Szenenwechsel ankündigte. Diese besonderen Elemente erzeugten eine bedrückend hektische Atmosphäre, die sich gut mit der Handlung vereinbaren ließen. 

Weiterführend beeindruckte auch das düstere Bühnenbild das Publikum von Anfang an. Die „Bühne“, von einem Drahtzaun umgeben, erinnerte an eine unordentliche Gefängniszelle. Der Schauspieler bahnte sich den Weg durch verstreute Klamotten, Bücher und Geschirr, die auch im Laufe des Stücks als Requisiten genutzt wurden. Der Drahtzaun grenzte zum einen das Publikum vom Geschehen ab, stellte gleichzeitig aber auch die Gedankenwelt Woyzecks angemessen dar. 

Ungeachtet des Hinweises des Schauspielers zu Beginn, Woyzeck sei kein schönes Stück, war dies nach Rückmeldung einiger Schülerinnen und Schüler eine einprägsame Erfahrung, um Theater aus einer neuen Perspektive zu begegnen.

Text: Elena Netzer und Johanna Lechelt

Bild: Florian Ladenburger